Investoren in der Bundesliga
: Fans von Union Berlin warnen DFL – Tennisbälle liegen bereit

Beim 1. FC Union Berlin bleiben die Tennisbälle im Block – die Fans feiern das Aus für den Investoreneinstieg in die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Beim Spiel gegen Heidenheim gibt es aber eine Warnung.
Von
Jan Lehmann
Berlin
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Die Fans des 1. FC Union Berlin feiern beim Spiel gegen den 1. FC Heidenheim in der Fußball-Bundesliga das vorläufige Aus für einen Investoreneinstieg in der DFL. Allerdings schoben die Anhänger der Eisernen auch noch eine Warnung hinterher.

Matthias Koch

Ein vereinzelter Tennisball tauchte beim Spiel des 1. FC Union Berlin der Fußball-Bundesliga am Samstag gegen den 1. FC Heidenheim doch noch im Fanblock auf – allerdings nur auf einem großen Banner. Dort hieß es ganz in der Tennissprache: „Spiel, Satz und Sieg!“

Die Fanszene in der Wuhlheide feierte den Erfolg im Ringen mit den Verantwortlichen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um einen möglichen Investoreneinstieg. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte in dieser Woche bekanntgegeben, den Prozess eines möglichen Investoreneinstiegs nicht fortführen zu wollen. Der deutsche Profi-Fußball habe „inmitten einer Zerreißprobe“ gestanden, begründete DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke.

Aus dem Fanblock im Stadion an der Alten Försterei gab es am Samstag gleich noch eine Warnung in Richtung DFL: „Doch beim nächsten Aufschlag stehen wir bereit!“, hieß es auf dem zweiten Banner, dass zu Spielbeginn gezeigt wurde. Dort angehängt: Eine ganze Reihe von Tennisbällen. Das Signal: Diese Bälle liegen bereit für den nächsten Protest aus der Kurve.

Wochenlang hatten die organisierten Fanszenen im Land gegen den Einstieg eines Investors in die Deutsche Fußball-Liga (DFL) protestiert und mit Tennisbällen für viele Spielunterbrechungen in der Bundesliga gesorgt. Die Anhänger des 1. FC Union Berlin waren dabei eine treibende Kraft. Die Köpenicker Gruppierung „Wuhlesyndikat“ teilte eine Abschlusserklärung der deutschen Fanszenen.

„Wuhlesyndikat“ teilt Abschlusserklärung

Dort heißt es: „Ein knappes Jahr nachdem wir uns erstmals mit dem Thema beschäftigen mussten, scheint das Vorhaben nun bis auf Weiteres gestoppt worden zu sein. Eine Entwicklung, die wir im höchsten Maße begrüßen und die sicherlich – insbesondere in ihrer ungeahnten Dynamik – nicht zuletzt auf die akribische Arbeit der aktiven Fans zurückzuführen ist.“

Etliche Spiele in den nationalen Top-Ligen hatten in den vergangenen Wochen unterbrochen werden müssen, weil Fans unter anderem Tennisbälle aufs Spielfeld warfen. Einige Partien standen sogar dicht vor einem Abbruch. Die DFL wollte eine Milliarde Euro für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen von einem Finanzinvestor kassieren.

Nachdem die DFL diese Pläne verworfen hat, reagierten Spieler und Trainer in der Bundesliga erleichtert. Union-Coach Nenad Bjelica hatte konstatiert: „Es ist optimal, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt, dass wir ganz normal Spiele vorbereiten können und normal ohne lange Unterbrechungen und lange Nachspielzeit spielen können.“

Heidenheims Angreifer Tim Kleindienst verdeutlichte bei „Sky“ vor dem Spiel: „Die Fans haben das erreicht, was sie wollten. Natürlich ist es unglücklich, wenn es zu Störungen kommt.“ Der Ex-Cottbuser betonte zudem: „Aber es ist die einzige Plattform, auf der sich die Fans äußern können.“

Fan-Sprecher über Ende der Proteste

Dabei war am Samstag auch in Berlin nicht klar, ob nicht doch noch Tennisbälle fliegen würden. Der bundesweite Fansprecher Thomas Kessen hatte nach der Entscheidung nicht garantieren wollen, dass mit dem gestoppten Investoren-Einstieg bei der Deutschen Fußball Liga auch die Proteste in den Stadien enden. Das „eine oder andere lustige Plakat“ werde man am Wochenende bestimmt sehen, hatte der Sprecher des Fan-Dachverbandes „Unsere Kurve“ der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

Von weiteren provozierten Unterbrechungen von teils über 30 Minuten ging Kessen aber nicht aus: „Ich wäre zumindest sehr überrascht, wenn das jetzt noch jemand macht“, erklärte er.

„Dieser Protest wurde lokal sehr individuell gestaltet, wurde vorangetrieben, und es gab nicht die zentrale Orchestrierung – dementsprechend gibt es auch keine zentrale Orchestrierung, wie man das jetzt feiert“, erklärte Kessen. (mit dpa)

Tabelle der Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Kevin Behrens (VfL Wolfsburg)

Laurenz Dehl (Viktoria Berlin)

Leonardo Bonucci (Fenerbahce Istanbul)

Sheraldo Becker (Real Sociedad)

David Fofana (FC Chelsea)

Aljoscha Kemlein (FC St. Pauli, Leihe)

Sven Michel (FC Augsburg)

Paul Seguin (FC Schalke 04)

Jamie Leweling (VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (Hamburger SV)

Kevin Möhwald (KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (SV Sandhausen)

Morten Thorsby (Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (FC Schalke 04)

Milos Pantovic (KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (1. FC Köln)

Tim Skarke (SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (1. FC Nürnberg)